Weniger Boden, mehr Hagel

Ich habe in meinem Leben noch nie so große Hagelkörner gesehen, wie Ende August in Haag. Die Zunahme von Extremwetterereignissen beunruhigt mich. Können wir es uns in dieser Situation leisten, weiter Böden zu verbauen wie bisher – und uns dabei auf Pläne aus der Vergangenheit berufen? Ich denke nein. Dazu erfüllen Böden erfüllen eine zu wichtige Funktion im Klimaschutz – und für unsere Lebensmittelversorgung.

Ende August betrug die diesjährige Schadsumme durch Hagel, Dürre und Co. laut der österreichischen Hagelversicherung bereits 220 Millionen Euro – noch vor dem Ende der Erntesaison. Kurt Weinberger, der Chef der Hagelversicherung kommentiert die steigenden Schäden wie folgt: “Nichts tun wäre grob fahrlässig”. Er bezeichnet den Bodenverbrauch als ein “hausgemachtes Klimaproblem“. Damit liegt er auch richtig.

Unversiegelte Böden bilden nach den Ozeanen den zweitgrössten Treibhausgasspeicher der Erde. Sie speichern weltweit ungefähr fünfmal soviel Kohlenstoff (Senkenfunktion) wie die oberirdische Biomasse und doppelt soviel wie die Atmosphäre. Unversiegelte Böden sind also von zentraler Bedeutung für den Klimaschutz – und sollten aus Klimaschutzsicht prioritär geschützt werden. Stattdessen werden sie zugebaut und damit der Klimawandel noch verstärkt. Dieser Klimawandel erhöht dann die Ertragsausfälle – reduziert also die Lebensmittel-Versorgungssicherheit und das Einkommen der Landwirt*innen. Die Landwirtschaft kommt also durch die Bodenversiegelung gleich doppelt unter Druck. Erstens weil sie weniger Böden zur Verfügung hat. Und zweitens weil diese Böden weniger Ertrag liefern.

Der durch die Bodenversiegelung verursachte Rückgang der Lebensmittel-Versorgungssicherheit ist beunruhigend. Gemäß der Hagelversicherung verliert Österreich jährlich 0,5% seiner Agrarfläche – knapp 4.200 Hektar Äcker und Wiesen. Das bedeutet gemäß deren Berechnungen beispielsweise einen Verlust von 25 Millionen kg Brotgetreide. Für den Brotkonsum werden rund 85 kg Getreide pro Kopf und Jahr benötigt. Somit wird einem Jahr das Brotgetreide von fast 300.000 in Österreich lebenden Menschen verbaut. Dies vor dem Hintergrund, dass Österreichs Selbstversorgungsgrad für Brotgetreide schon jetzt bei nur 85 Prozent liegt (Kartoffeln 80 Prozent, Gemüse 55 Prozent, Obst 45 Prozent).

Was tun angesichts dieser beunruhigenden Situation? Ich würde sagen: Anfangen zu handeln. Z.B. in Haag am Hausruck. Indem wir die landwirtschaftlichen Flächen im Grüngürtel schützen, anstatt sie zu verbauen. Und parallel dazu eine Datenbank für Haag am Hausruck erstellen, in der sämtliche Leerstände von Betriebsgebäuden erfasst sind – um so eine Grundlage für Betriebsansiedlungen ohne Versiegelung von landwirtschaftlichen Böden zu schaffen.

Autorin: Renate Zauner

Quellen und zum Weiterlesen:
Rolle der Böden im Klimawandel, Website bodenwelten, abgerufen am 1.9.2021
Seite zum Thema Bodenverbrauch auf der Website der Hagelversicherung, abgerufen am 1.9.2021

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